TAURUS-A,    M1,   Krebsnebel

Oktober 2019:

Die Radioquelle TAURUS-A befindet sich in Richtung Sternbild Stier in einer Entfernung von ca. 6400 Lichtjahren. Genau genommen verbirgt sie sich dort im Krebsnebel, einen Supernovaüberrest welcher auch optisch relativ gut sichtbar ist. Die ursächliche Supernovaexplosion ereignete sich im Jahr 1054 nach Chr. und wurde von der Erde aus nachweislich als sogenannter "Gaststern" beobachtet. Im Inneren des Krebsnebels befidet seit dieser gigantischen Explosion der Überrest des Vorläufersterns. Auf Grund besonderer physikalischer Umstände (welche zum Beispiel hier näher erläutert werden), sendet das Zentrum um den Sternüberrest starke Synchotron-Strahlung aus, welche im Radiobereich auch mit kleinen Empfangssystemen relativ gut zu beobachten ist. Das Signal ist in der Fachliteratur beispielsweise für eine Empfangsfrequenz von 1420 MHz mit ca. 900 Jy Flußstärke (Radioflux) beschrieben.


Nachdem das Sternbild Stier auch ein Tierkreiszeichen auf der Ekliptik darstellt folgt aus dieser speziellen Position am Himmel auch, dass die Sonne sowie der Mond gelegentlich durch dieses Himmelsareal kreuzen. Dadurch ergibt sich eine schöne Möglichkeit TAURUS-A und den Mond gleichzeitig zu beobachten. Die durchschnittliche Temperatur der Mondoberfläche wird in der Fachliteratur mit ca. 220 Kelvin angegeben. Somit ist bei 21 cm Wellenlänge eine Signalstärke von etwa 1000 Jy zu erwarten. Sowohl bei TAURUS-A als auch beim Mond sollten demnach annähernd die gleichen Signalstärken zu beobachten sein. Die folgenden Aufzeichnungen zeigen die Annäherung, die scheinbare Bedeckung sowie das Entfernen des Mondes für die Region um den Krebsnebel.  

Die Aufzeichnungen wurden mit SpectraVue erstellt. Als Datenquelle diente ein FunCube-Dongle Pro. Die jeweiligen Parameter können bei Bedarf den Abbildungen entnommen werden. SpektraVue hat im Abstand von jeweils 28 Sekunden wiederkehrend Messdaten aufgezeichnet. Daraus folgen in etwa acht Messwerte pro Winkelgrad Transitdrift aus der angepeilten Region. Am 19. Oktober um 5h01m UTC steht der Mond nur etwa 3° östlich von M1. Da das Empfangssystem mit einem Öffnungswinkel von gut 4° (HPBW) arbeitet können die beiden Objekte nun räumlich nicht mehr aufgelöst werden. Hier ist scheinbar die Grenze von kleinen Empfangssystemen erreicht. 


Nachstehend die Konstellation der Objekte M1 und Erdmond zur obigen Aufzeichnung vom 19. Oktober 2019 als Darstellung in Skychard:

Die starke Radioquelle TAURUS-A liegt fast auf der selben Deklination wie der Supernovaüberrest IC-443 (3C157). Eine Transitaufzeichnung sollte demnach Signaturen von beiden Quellen enthalten. In den oben dargestellten Aufzeichnungen ist IC-443 gerade so als kleine Beule in der Signalstärke rechts neben TAU-A zu erahnen. Deshalb sollte eine bessere Gelegenheit abgewartet werden. Am 10. November 2019 waren die Witterungsverhältnisse relativ stabil, so dass die Aufzeichnung durchgeführt werden konnte. Die folgende Abbildung zeigt sowohl die deutliche Signatur von TAURUS-A als auch östlich davon (im Bild rechts von TAU-A) die schwächere Signatur von IC-443.


Der Fachliteratur folgend erreicht uns aus TAURUS-A ein Strahlungsfluss von 875 Jansky, während IC-443 mit nur etwa 190 Jansky hier ankommt. Beide Quellen stehen am Firmament bezüglich der Elevation nur etwa ein halbes Grad auseinander. Im Azimut stehen die beiden Quellen ca. 20° voneinander getrennt am Himmel. Trotzdem erscheint eine gute Separation der Signaturen beider Quellen fast an der Grenze der Auflösung des aktuell verwendeten Antennensystems zu liegen.

 

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