Radioastronomie mit Amateurmitteln        

        

Der erste Kontakt des Autors zur Radioastronomie entstand aus reiner Neugier auf die zu erwartenden technischen Herausforderungen im Umfeld einer nachrichtentechnischen Ausbildung und der darauf folgenden Spezialisierung des Autors auf dem Fachgebiet der angewandten Radartechnik.

 

Zu jener Zeit entstand die erste, noch sehr simple Versuchsempfangsanlage für extraterrestrische Radiostrahlung. Zeitgleich wurde die Prüfung zur Zulassung für den Amateurfunk abgelegt, weil Versuchsfunkanlagen im unmittelbaren Grenzgebiet zum Ostblock während des "Kalten Kriegs" verboten bzw. meldepflichtig waren. Mit relativ einfachen Geräten, zusammengetragen aus kommerziellen Altbeständen, konnten damals zum Beispiel die Radioemissionen der Sonne und der Milchstraße im VHF Bereich erfolgreich detektiert werden. Die Messergebnisse wurden ganz zeitgemäß mittels x-t-Schreiber auf Papierstreifen festgehalten.

 

Fast zeitgleich entwickelte sich ein Kontakt zu Dr. Hans Urbarz, der damals die Außenstelle für Sonnenforschung der Universität Tübingen in Weißenau bei Ravensburg leitete. Von ihm kamen sehr nützliche Anregungen zum Aufbau und dem Betrieb radioastronomischer Empfangsanlagen. Darüber hinaus entstanden damals auch einige lose Kontakte zu der kleinen aber hochspezialisierten radioastronomischen Amateurgemeinde in ganz Europa.

 

Berufsbedingt trat dann die Leidenschaft an kosmischen Radiowellen für fast 15 Jahre in den Hintergrund. Erst nach einem Umzug in ein Landhaus bestand wieder die Möglichkeit der Leidenschaft räumlich und zeitlich den Platz zu geben der ihr nach der Meinung des Autors gebührt.

 

Innerhalb von acht Jahren entstand am neuen Domizil eine moderne Experimental-Empfangsanlage für kosmische Radiostrahlung, die praktisch den gesamten Frequenzbereich des atmosphärischen Radiofensters von 10 MHz bis 10 GHz abdecken kann. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den weltweit für radioastronomische Beobachtungen geschützten Frequenz-bändern um 150 MHz, 408 MHz, 603 MHz und 1420 MHz, sowie auf Messungen am Radiokontinuum bei 4 GHz bzw. bei 11 GHz.

 

Obwohl einige der kosmischen Radioquellen unvorstellbar große Energiemengen mit Leistungen von bis zu 10e48 Watt (zum Vergleich: die gesamte Strahlungsleistung der Sonne liegt bei 3,845 x 10e26 Watt) in den Weltraum abstrahlen, erreicht uns davon nur ein winzig kleiner Bruchteil mit einer Größenordnung um die 10e-26 W/qm/Hz. Das ist hauptsächlich den enormen Entfernungen geschuldet in denen sich diese Strahlungsquellen befinden. Die  Distanzen erstrecken sich zwischen einigen 1000 Lichtjahren bei galaktischen Radioquellen (zum Beispiel Supernovaüberreste oder Wasserstoffwolken) und vielen Millionen Lichtjahren bei fernen Radiogalaxien und noch ferneren Radioquasaren. Die entfernteste Radioquelle, die Amateure mit etwas Mühe aufspüren können ist das Signal der 2,7 Kelvin Hintergrundstrahlung, dass uns aus einer Entfernung von unvorstellbaren 13,7 Milliarden Lichtjahren erreicht. Diese Entfernung stellt im übrigen auch einen von uns Menschen von der Erde aus sichtbaren Horizont unseres Weltalls dar. Von der Erde aus ist es auf Grund der endlichen Geschwindigkeit des Lichtes nicht möglich zu erkennen was sich hinter diesem Horizont befindet.

 

So betrachtet stellt der "Blick" durch ein Radioteleskop immer auch den direkten Kontakt zu den unvorstellbaren Weiten des Kosmos dar. Gleichzeitig wird dabei der Planet Erde auf das Wesentliche reduziert, was er für uns Menschen und das auf ihm befindliche Leben darstellt - einen eng begrenzten Lebensraum in einer für Lebewesen wie wir sie kennen lebensfeindlichen Unendlichkeit.

    

 

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